De Mortui Nihil Nisi Bene

Berlin Festival, Berlin Clubnacht, Berlin Music Week, Popkomm: Hinter uns allen liegt eine tolle Woche mit vielen Konzerten, intensiven Netzwerkingprozessen und aufschlussreichen Fachgesprächen bei Freigetränken. Manches war früher besser, anderes nicht.

So erinnerte bei der feierlichen Eröffnung der Popkomm der Festredner Holger G. Weiss vom personalisierten Internetradiosender aupeo.com aus Berlin seine Zuhörer an die unfassbar fernen Zeiten kurz nach dem Mauerfall, als unsere Stadt nur aus Ruinen und Ofenheizungswohnungen bestand und, so Weiss, „all die schönen Townhouses noch nicht gebaut waren“, die heute das Stadtbild verzieren. Damals, erinnerte sich der sympathische Start-Up-Experte, „gab es noch nicht mal das Soho House“! Nur junge Menschen mit Ideen und Computern, die in baulärmumtosten Ofenheizungswohnungen netzwerkten. Und was haben diese jungen Menschen sich einfallen lassen? Personalisiertes Internetradio! Liebe Leser: Wissen Sie noch, was Sie den ganzen Tag trieben, bevor es personalisiertes Internetradio gab?

Auch während der Berlin Music Week und bei der Popkomm wurde wieder genetzwerkt, bis die Taue knirschten, und manchmal sogar auch ein wenig Musik gehört. Nicht in sämtlichen Fällen konnte der Publikumszuspruch indes die Erwartungen erfüllen. Zum Berlin Festival kamen nach Veranstalterangaben 15.000 Zuschauer und damit etwa ein Viertel weniger als im Vorjahr. Zum Abschlussvortrag der Musikmesse Popkomm, der am Freitagnachmittag von dem britischen Konzertmogul Melvin Benn gehalten wurde, kamen nach Zählung des Branchenportals Musikwoche.de genau zehn Zuschauer. Das kann man einerseits als Misserfolg sehen, andererseits aber auch als Erfolg, entspricht diese Zahl doch etwa hundert Prozent aller zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch auf der Popkomm anwesenden Gäste.

Apropos Popkomm. Das Internetportal bestattungen.de hat wieder die Top Ten der beliebtesten Trauerhits ermitteln lassen, also jener Lieder, die am häufigsten bei aktuellen Erd-, See- und Feuerbestattungen abgespielt werden. Wie 2010, wird die Beerdigungshitparade auch in diesem Jahr von Sarah Brightmans „Time To Say Goodbye“ angeführt. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen zwei Neueinsteiger: „Geboren um zu leben“ von dem Goth-Schlagersänger und Henkelbartträger Der Graf und seiner Gruppe Unheilig sowie „Somewhere Over The Rainbow“ in der Version des passenderweise selbst schon verstorbenen sowie bestatteten hawaiianischen Ukulele-Virtuosen Israel Kamakawiwo’ole. Auf den hinteren Plätzen finden sich unter anderem Franz Schuberts „Ave Maria“ sowie – für eine Beerdigung mit Augenzwinkern – „Highway To Hell“ von AC/DC. Für die nächste Popkomm, die vom 5. bis 7. September 2012 im Flughafen Tempelhof stattfinden soll, könnte ich noch ein schönes Stück von Blaine L. Reininger empfehlen: Es kommt aus dem Jahr 1998 und trägt den Titel „Zombie Bop“.

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