Plattentipps zu Weihnachten

Schon verschiedentlich haben wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Jahr zu Ende geht. Nun ist es bald wirklich soweit! Man merkt das zum Beispiel daran, dass überall wieder die beliebten Jahresendlisten erscheinen. Was waren die besten Alben des Jahres 2011? Die schlechtesten Alben? Die überflüssigsten Musikvideoclips? Die beknacktesten Interviewpartner? Die interessantesten Konzertbühnendekorationen? Die scheußlichsten Schallplattencover? Und damit sind wir auch schon beim Thema. Denn in der Liste der 20 scheußlichsten Schallplattencover, die soeben von dem meinungsführenden US-amerikanischen Popkritikportal pitchfork.com veröffentlicht wurde, findet sich neben naheliegenden Kandidaten wie dem Cover der aktuellen Limp-Bizkit-Platte (das drei schlecht gemalte halbnackte schielende Frauen zeigt, die dem Betrachter die Zungen herausstrecken, während sich im Hintergrund ein glatzköpfiger Gnom in der Nase pult und damit eine Riesenkobra erregt) auch das Cover des neuen Albums „We Are The Best“ von der Gruppe The Chap! Dabei handelt es sich, wie regelmäßige Leser wissen, um das postminimalistische Experimentalrockkollektiv des Berliner-Zeitung-Autors und -Kolumnisten Johannes von Weizsäcker, weswegen wir auch von dieser Stelle „herzlichen Glückwunsch!“ sagen. In der Tat ist das Cover der neuen LP von The Chap außergewöhnlich grauenerregend geworden, es zeigt einen ungekämmten hässlichen Schoßhund mit befremdlichem Genitalschmuck, neben dem der Titel des Albums in unansehnlichen Lettern inmitten eines unstrukturierten Gewirbels aus geometrischen Figuren steht. Zu dieser Cover-Kunst steht die Musik auf dem Album in einem offenen dialektischen Verhältnis, letztere ist nämlich einmal wieder ganz großartig geworden! Sollten Sie, liebe Leser, noch nach einem Weihnachtsgeschenk für einen musikalisch aufgeschlossenen Verwandten suchen: Greifen Sie zu „We Are The Best“ von The Chap! Das schreckliche Cover können Sie ja jederzeit durch etwas Selbstgemaltes ersetzen.

Falls Sie zum Fest gerne Musik von einem Popkritiker der Berliner Zeitung verschenken möchten, gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten. So hat unser London-Korrespondent Robert Rotifer soeben sein neues Album „The Hosting Couple“ herausgebracht; zu herrlichen, leicht psychedelischen Sixties-Gitarren singt Rotifer mit seiner erotisch-jubilierenden Ray-Davies-Stimme Lieder über die verflossene Kindheit, von langen Sommerferien und aufschlussreichen Schulaustauschaufenthalten. Toll! „The Hosting Couple“ ist übrigens die erste Platte, die auf dem neuen Label des ex-Orange-Juice-Sängers Edwyn Collins erscheint, für alle Freunde des Britpop ist sie schon deswegen ein schönes Geschenk.

Leider erst im Januar erscheint das neue Album der von unserem Autor Maurice Summen mitbetriebenen Gruppe Die Türen. Sollten Sie dieses Werk mit dem Titel „ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ“ verschenken wollen, bleibt Ihnen nichts Anderes übrig, als zunächst einen Gutschein zu malen. Einen ersten Eindruck von der Platte können Sie durch das Video zur Single „Rentner und Studenten“ erhalten, das man auf der Seite dietueren.de sehen kann. Oder beim Pop-Salon „Livekritik und Dosenmusik“, der zum letzten Mal in diesem Jahr am kommenden Dienstag, dem 20. Dezember, um 21 Uhr in der Volksbühne stattfinden wird. Zu Gast bei Tobi Müller und mir ist dann der Journalist und Ex-Chef der Zeitschrift Spex, Max Dax. Wir reden über die besten und schlechtesten Platten des Jahres sowie über die Trendsetter 2012, zum Beispiel also über Die Türen. Dann kann das Jahr wirklich zu Ende gehen.

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