Ich weiß es nicht, die anderen reden ja nicht mehr mit mir

Heute zunächst ein herzlicher Gruß an die Mitglieder der virtuellen Diskussionsrunde der Musikzeitschrift Rolling Stone, die in der vergangenen Woche unter dem Stichwort Lana Del Rey eifrig über deren Debütalbum „Born To Die“ im Allgemeinen sowie im Besonderen über meine am vorletzten Montag in dieser Zeitung veröffentlichte CD-Kritik debattiert haben. Ob es sich bei meiner CD-Kritik tatsächlich um eine CD-Kritik handelt oder nicht vielmehr, wie im Rolling-Stone-Forum mehrheitlich befunden wird, um das unoriginelle Geschwätz eines eitlen Posierers, möchte ich dahin gestellt lassen. Entschieden widersprechen will ich lediglich der in diesem Zusammenhang aufgestellten Behauptung, ich hätte mir den in meiner CD-Kritik zitierten Anruf der Chefredaktion der Berliner Zeitung, in dem ich mit drohendem Unterton zum sofortigen Verfassen einer CD-Kritik über das Debütalbum von Lana Del Rey gedrängt werde, lediglich ausgedacht, um als eitler Posierer in noch besserem Lichte zu stehen. Nein! Liebe Rolling-Stone-Leser! Jedes in dieser CD-Kritik aufgeschriebene Wort ist wahr! Das wird die Chefredaktion der Berliner Zeitung Ihnen auf Nachfrage gerne bestätigen.

 

Was dem hiesigen Leser der Rolling Stone ist – die bedeutendste Zeitschrift für all jene Arten der Popmusik, die ihre große Zeit vor mindestens dreißig Jahren erlebt haben –, das ist dem britischen Leser das Mojo Magazine. Sehr gut hat mir dessen Januar-Ausgabe gefallen: Auf dem Cover ist die vor nunmehr knapp 32 Jahren gegründete britische Gruppe New Order zu sehen; auf einer zum Heft zugehörigen CD hört man junge Popmusikkünstler, wie sie die Stücke aus der klassischen New-Order-Platte „Power, Corruption and Lies“ interpretieren: zum Beispiel den fabelhaften Softrock-Dekonstruktivisten Destroyer mit einer schön beschellenkranzten Schmerzensmann-Schmuseversion von „Leave Me Alone“. Der Anlass für die Cover-Geschichte ist eine Comeback-Tournee: Denn kürzlich haben die 2006 auseinandergegangenen New Order sich wiedervereinigt  – allerdings ohne den einstigen Bassisten Peter Hook, denn mit dem sind die restlichen Bandmitglieder seit Jahren verfeindet – unter anderem deswegen, weil er ihr altes Studio in Manchester abreißen ließ, um an der Errichtung eines großen Parkplatzes auf dem Gelände viel Geld zu verdienen, was Peter Hook allerdings bestreitet. Wie dem auch sei: Während der Rest von New Order mit den alten New-Order-Songs wieder auf Tournee geht (für den Juni ist in Berlin ein Konzert im Tempodrom anberaumt), führt Peter Hook die klassischen Alben der New-Order-Vorgänger-Gruppe Joy Division konzertant sowie in detailgetreuer Originalfassung auf, zum Beispiel am nächsten Montag im Berliner K17-Club das Joy-Division-Debüt „Unknown Pleasures“ aus dem Jahr 1979. Das wird sicher scheußlich! Doch wird man als nostalgischer Joy-Division-Verehrer wohl dennoch hingehen müssen.
Ebenso, wie man sich das aktuelle Joy-Division-Gedenk-T-Shirt der Walt Disney Company kaufen muss: Dieses zeigt nämlich das vom Cover der „Unknown Pleasures“-Platte bekannte Motiv eines Weiß auf Schwarz gedruckten radioastronomischen Diagramms  von einem pulsierenden Stern – allerdings in Form eines Mickey-Mouse-Kopfes! Ein hervorragendes Motiv, das Sie sich – unser besonderer Service – in der Mitte dieses Textes auch ansehen können. Das T-Shirt selber ist leider schon nach wenigen Tagen wieder vom Markt verschwunden, weil der Disney-Konzern  im Eifer des Gefechts vergessen hatte, die Rechte zu klären: Kann ja mal passieren. Das Online-Magazin Pitchfork befragte Peter Hook daraufhin, ob er von dem Joy-Division-Mickey-Mouse-Shirt etwas gewusst habe. Nein, sagte Hook, er wusste nichts davon. Ob die anderen Mitglieder von Joy Division beziehungsweise New Order von dem Shirt gewusst hätten? „Ich weiß es nicht“, so Hook,  „die reden ja schon seit Jahren nicht mehr mit mir.“ Am kommenden Montag, den 13. Februar tritt Peter Hook  ohne seine alten Freunde um 21 Uhr  im K17 auf.

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