Alles schwitzte, allein die Ohren froren

Das bislang heißeste Konzert des Jahres war am Montagabend im Westgermany am Kottbusser Tor zu erleben;  bei zirka 50 Grad Raumtemperatur und 90  Prozent Luftfeuchtigkeit  im knackvoll ausverkauften Etablissement bot das aus Baltimore stammende Quartett Lower Dens seinen unterkühlten neopsychedelischen Pop dar. Ein auch körpererfahrungsmäßig interessanter Kontrast: die Ohren froren, der Rest transpirierte enthemmt; die Musiker rutschten mit schweißnassen Fingern immer wieder an ihren Geräten ab. Lower-Dens-Sängerin Jana Hunter hat ihre Karriere einst mit Weird-Folk-Etüden auf dem Gnomonsong-Label Devendra Banharts begonnen und musizierte zwischenzeitig  in einer Gruppe mit dem hervorragenden Namen Ejaculette! Bei den Lower Dens legt sie ihren lasziv unbeteiligten Gesang nun über eine noch unbeteiligter wirkende roboterhafte Rhythmusmotorik; dazu hört man kalt hallende Gitarrenklänge und blind dahinklackernde Bässe, manchmal – wie in dem Stück „Lion in Winter“ – auch nur frostig verbrummte Basstöne. Mochte mithin von den Westgermanywänden dampfend der Schweiß heruntertropfen – aus den dunklen Wolken über die Bühne rieselten graue Graupelflocken und Schnee.

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