Beim Barte des Zappa

Die Zappanale darf sich weiterhin als Zappanale bezeichnen und mit dem Gesichtsbewuchs von Frank Zappa werben. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden.

Sprechen wir über Bärte. In der Popkultur der vergangenen Jahre hat der Bart ja eine  erstaunliche Renaissance erlebt. Galt  unter modisch bewussten Männern noch in den Neunziger- und frühen Nullerjahren Gesichtsbewuchs jeglicher Art als Ausdruck der Gestrigkeit und Provinzialität, erfreuen sich seit dem letzten Hippie-Revival um das Jahr 2005 herum gerade auch unter urbanen Hipstern Bärte wieder großer Beliebtheit. Hier wäre beispielsweise der kunstvoll ins Kraut geschossene Buschbart zu nennen oder der kastenförmig gestutzte Holzfällerbart. Eine erstaunliche Renaissance erlebt auch der  Zopfbart der Viking-Metaller oder der von der Oberlippe wurstförmig über die Mundwinkel hinabhängende sogenannte Pornobart; dieser wurde zuletzt vor allem bei frisch nach Berlin übergesiedelten Schwaben gesichtet, die man daher auch als Pornoschwaben bezeichnet.
Doch wurde der Pornobart nicht von den Schwaben erfunden! Eine Frühform findet sich bereits in den 60er-Jahren bei dem Rockmusik-Komiker Frank Zappa; bei ihm wurde der wulstige Oberlippenbewuchs freilich noch mit einem keck  unter die Unterlippe getupften Bartklecks kombiniert. Bis heute gehört der Zappabart zu den schönsten und markantesten Kreationen der Bartgeschichte; am besten kam er in jenen Jahren zur Geltung, in denen Zappa – seinerzeit noch mit  den Mothers of Invention musizierend – in rüschenbesetzten Frauennachthemden auftrat und der Zappabart mithin zum Damenbart wurde.
1993 ist Frank Zappa gestorben. Um seinen Bart aber entbrannte ein böser Streit, der an diesem Donnerstag am Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden wurde. Bis hierhin hatte sich nämlich die Witwe Gail Zappa bei dem Versuch geklagt, den Veranstaltern des jährlichen Zappa-Huldigungsfestivals Zappanale  im mecklenburgischen Bad Doberan den Gebrauch einer stilisierten Bartgrafik zu untersagen – zum einen, weil der Zappanale-Bart nach Ansicht Gail Zappas nicht wie der Bart von Frank Zappa aussieht, sondern wie eine Möwe; zum anderen, weil sie ohnehin allen alles verbieten möchte, was in irgendeiner Beziehung zu ihrem Mann steht, so auch den Gebrauch des Namens Zappa in Zappanale oder die ebenfalls in Bad Doberan errichtete Zappa-Statue.

 

Vor zwei untergeordneten Gerichten war die Witwe damit schon gescheitert – nun haben auch die Karlsruher Richter ihre Klage abgewiesen. Gegen Gail Zappas Behauptung, dass sie die Rechte an der „Zappa“-Marke besitze, befanden die Richter, dass sie diese Marke nicht im Sinne des Gesetzes benutzt habe und diese daher zu löschen sei. Mithin darf de Zappanale sich auch in Zukunft als Zappanale bezeichnen. Und  der Bart des Toten gehört nicht seiner Witwe, sondern den Männern, die sich bis heute so frisieren wie er.

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