Bald ist wieder Berlin Music Week

Zu den schönsten und für den nervlich vielseitig belasteten Großstädter zweifellos erholsamsten Spiel- und Sportarten zählt das Indoorgolfen. Hierbei werden echte Golfbälle mit echten Schlägern in virtuelle Räume geschlagen. Ein Lieblingstreffpunkt der Berliner Indoorgolfszene ist die Capitol Yard Golf Lounge am Friedrichshainer Spreeufer, gleich neben dem Schallplattenkonzern Universal gelegen. In Einzelkabinen kann der Indoorgolfer nach Herzenslust chippen, pitchen und putten; dafür stehen ihm virtuelle Versionen der schönsten Golfplätze der Welt zur Verfügung ebenso wie – der besondere Clou – ein eigens entworfener Golfplatz auf dem Mond inklusive der dort herrschenden, deutlich geringeren Schwerkraft.

In der Capitol Yard Golf Lounge wurde am Montagmorgen das Programm der kommenden Berlin Music Week vorgestellt: Dabei handelt es sich um das größte Berliner Musikfestival, das aus der zuletzt schon ziemlich virtuell wirkenden und nunmehr ganz auf den Mond geschossenen Musikmesse Popkomm hervorgegangen ist. Fünf Tage, vom  5. bis 9. September, dauert die Music Week in diesem Jahr, und weit über eine Stunde brauchte der dabei keineswegs trödelnde Projektleiter Björn Döring, um das beeindruckende Programm vorzustellen.

Neben dem Berlin Festival – das im Flughafen Tempelhof in diesem Jahr unter anderem The Killers, Paul Kalkbrenner, Tocotronic, Grimes, SBTKRT und Sigur Rós präsentiert – ist eine Vielzahl von kleineren Festivals, Konzerten und DJ-Sets geplant, aber auch ein umfangreiches Konferenz- und Workshop-Programm. In einer „Word on Sound“ genannten Debattenreihe soll etwa Frank-Walter Steinmeier mit dem  Die-Ärzte-Manager Axel Schulz über die neuen Gema-Tarife diskutieren. Die umtriebige all2gethernow-Initiative widmet sich „Überlebens- und Vermarktungsstrategien für Musiker“; unsere Lieblings-Festivalmacher vom Club Transmediale veranstalten in den Clubs rund um das Kottbusser Tor die experimentelle ICAS Suite; bei einem „Green Music Dinner“ sollen Debatten über Nachhaltigkeit mit leckerem vegetarischen Essen kombiniert werden.

Was es hingegen nicht mehr geben wird: das ist eine Messe mit Messehallen und Messeständen. Wenigstens für die Musik-,  Pop- und sonstige Kreativbranche hat sich ein solches Konzept überlebt: „Um Kontakte zu knüpfen“, befand Björn Döring zutreffend, „braucht man heute nur WLAN, eine gute Bar und in der Nähe ein vernünftiges Restaurant.“ Wer einmal versucht hat, dergleichen in der Nähe des ICC in Charlottenburg zu finden, der weiß schon, warum die Popkomm dort scheitern musste; und auch rund um das Tempelhofer Flughafengelände sieht die Lage nicht viel besser aus.  In Zukunft soll sich die Music Week hingegen rund um die Oberbaumbrücke konzentrieren, wo es vor Konzertsälen und Clubs nur so wimmelt. Lobenswert – ebenso wie der von Björn Döring beteuerte Wille, im Programm in Zukunft auf „Speed Dating“, „Match Making“ und anderen Unfug aus dem Neusprech der Internetidioten zu verzichten. Man wolle in Zukunft wieder deutsch reden: „Im Mittelpunkt werden menschliche Begegnungen stehen.“

Sehr gut! Und auch der Berliner Senat ist begeistert, wie der dazugehörige Staatssekretär Christoph von Knobelsdorff sagte. Er möchte die Berlin Music Week am liebsten mit dem Musikpreis Echo koordinieren und damit zur „Berlinale des Pop“ erheben! Auch ein fester Haushaltsposten  sei künftig eingeplant in Höhe von 500000 Euro. Das entspricht  einem Zweihundertvierzigstel der jährlichen Subventionen für die Opernstiftung; ein Anfang, könnte man sagen, ist gemacht.

Post to Twitter

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.