Geht arbeiten

Leider nicht geil: Die pseudo-cleveren White-Trash-Darsteller Die Antwoord gaben im Berghain ein sehr schlechtes Konzert

Zu den großen ungelösten Rätseln in der Popmusik der letzten beiden Jahre zählt die allgemeine, intensive, auch bei ansonsten einigermaßen geschmacksbegabten Menschen anzutreffende Euphorie für das südafrikanische Spacken-Rap-mit-Billig-Beats-Duo Die Antwoord. Wohin man auch hört, überall hört man begeisterte Beschreibungen der unerhörten Bühnenpräsenz der beiden Rapper und der semiotisch angeblich überaus komplexen Unterfütterung ihrer ironischen Selbstinszenierung als Buren-Proletariats-White-Trash, in der sich doch in Wahrheit tatsächlich die  unabgegoltene Schuld der  weißen Südafrikaner, namentlich die kollektiv verdrängte Unterdrückungsgeschichte der Apartheid entäußere. Ach ja?  Am Dienstagabend haben die beiden Rapper Ninja und Yo-Landi Vi$$er das erste von zwei ausverkauften Konzerten im Berghain gegeben, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es das Beknackteste, Stumpfsinnigste und Ödeste war, was ich seit langem in einem Konzert erdulden musste.

Was die Musik und die dazugehörige Bühnenshow betrifft, so bestritten Die Antwoord ihren knapp einstündigen Auftritt mit stupide aus einem Laptop herausbollernden Bumsbeats, zu denen Ninja und Yo-Landi Vi$$er witzlos herumhüpften und äußerst schlecht rappten. Vi$$ers stimmliche Variationsbreite entspricht dem Frequenzspektrum einer pfeifenden Teekanne, was auch dadurch nicht besser wurde, dass sie sich von den vorderen Publikumsreihen gern ihren spandexbekleideten Hintern betatschen ließ, während Ninja sich im Stage Diving übte oder zur Abrundung seiner Asozialen-Performance immer wieder pseudobetrunken auf den Bühnenboden fiel.

In den Videoschleifen über der Bühne sah man dazu beispielsweise, wie aus Vi$$ers geöffnetem Mund Schmetterlinge oder Würmer entfleuchten; wenn man das RTL-Dschungelcamp für eine Manifestation des kollektiv Unbewussten hält, kann man darin einen tieferen Sinn erkennen. Sonst aber nicht. Ergänzend wurden wieder und wieder kindchenschematisch knubblige Spielzeugfiguren mit sehr großen Penissen kombiniert. Gähn!  Den Gipfel der Cleverness erklomm die Semiotik des Abends, als Die Antwoord eine Variation von Edvard Munchs „Schrei“ mit einem schreienden Afrikaner projizieren ließen; ich vermute, das sollte  nun die verdrängte Schuld der Apartheid symbolisieren. Aber wie genau? Wem gegenüber? Und mit welchem Ziel?

Nirgendwo in dem tristen Beat- und Bildergeballer fand sich eine Struktur, eine Brechung, ein metaphorischer Mehrwert, aus dem  Selbstironie, Humor oder gar eine Haltung erwachsen wäre.  Stattdessen hatte man durchweg das Gefühl, dass hier Musik von Leuten für Leute gemacht wird, die sich für deutlich cleverer halten, als sie es sind.

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2 Gedanken zu “Geht arbeiten

  1. also bitte. was hat denn der herr balzer, der ja sonst eigentlich fast immer recht hat, oder zumindest lustig ist, gegen die antwoord, die ebenfalls sehr lustig sind? neid?
    mein eindruck (allerdings vom mittwochs-konzert) war vor allem, dass die beiden ich wirklichkeit noch viel besser aussehen, als in ihren videos (wo sie das ja aber auch nicht beabsichtigen, macht also sinn) und das sie etwas koennen, was ich ich selten bei konzerten erlebe: liebe mit dem publikum machen. was will man mehr?
    nur weil irgendwelche feuilletonisten das ganze auf so ein pseudointellekuelles niveau heben, muss man doch die kuenstler dafuer nicht schlecht machen. oder?

  2. angesichts der kritischen stimmen zu dieser konzert- und bandbesprechung möchte ich gerne der geschätzten balzerschen wahrnehmung rückendeckung geben.
    der nagel ist auf den hohlen kopf getroffen.
    inhaltliche wie musikalische hohlheit wird auch durch geilste erfolgssucht und post-mondino ästhetik nicht wettgemacht.
    wer scharf ist auf kleine willige mädchen wird sicher bis ins höchste alter vergebens die hände nach ¥o-landi vi$$er recken, ihre antwoord gilt nur yen und dollar.
    man werfe seinen euro lieber in die kurfürstenstrasse, zur (real druckabbauenden) unterstützung lokaler prostitution.
    das mädchen und der spacken hatten ihre minutes of fame, jetzt so möchte-gern wie deren notgeile fans.