Es gibt noch mehr als wie Madonna auf der Welt

Auch in der vergangenen Woche habe ich von Ihnen, liebe Leser, wieder zahlreiche interessante Zuschriften erhalten, für die ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Auch Zuschriften zu Zuschriften waren darunter wie beispielsweise zu der in der letzten Kolumne an dieser Stelle veröffentlichten Meinung unseres Lesers Peter Schneider, der anlässlich meines Geburtstagsartikels für den Ex-Beatle, Weird-Folk-Erfinder und Dudelsackmusikkönig Paul McCartney folgende Kritik formulierte: „An diesem Tag hätte ich mir gewünscht, dass nicht so eine Luftpumpe, sondern ein kompetenter Musiksachverständiger einen geeigneten Beitrag verfasst hätte.“  Dazu schreibt uns Herr oder Frau W. P. Hoffmann aus 12159 Berlin: „Leser Peter Schneider hat ja sooo recht! Balzer ist unerträglich, er ist tatsächlich die größte Luftpumpe im Universum, nur heiße Luft, aber viel dummes Geschwätz. Man sollte Balzer bei der Energieversorgung einsetzen, soviel heiße Luft kann sicherlich mindestens ein AKW ersetzen (und sein klugscheißerischer Dünnschiss so manches Biokraftwerk befeuern) aber erspart uns bitte diesen sogenannten Popkritiker …  Er hat doch keine Ahnung welchen Einfluss die Beatles (mit Paul McCartney) und die Stones und the Who und all die anderen auf die Gesellschaft in den Sechzigerjahren hatten. Ohne deren Musik würde man in Deutschland weiterhin nur den unsäglichen Schlagerpop von Heino, Gitte und Heintje hören. Aber er weiß ja alles besser! So einen selbstverliebten Dummkopf habe ich bisher noch nicht erlebt. “

Vielen Dank, Herr oder Frau Hoffmann, für diese Zuschrift. Und jetzt noch zwei Ausgehtipps für die kommenden Wochen. Sollten Sie, liebe Leser, sich für zeitgemäße Gitarrenmusik interessieren, dann sollten Sie auf jeden Fall das Konzert der fabelhaften Screaming Females aus dem schönen New Jersey besuchen; im vergangenen Herbst beim bislang letzten Berlin-Auftritt dieses Trios um die unfassbar tolle Hochgeschwindigkeitsgitarrenschredderin, Sängerin und Lucy-van-Pelt-Gedächtnisfrisurträgerin Marissa Paternoster geriet die hier unterzeichnende Luftpumpe jedenfalls in einen mehrere Tage lang währenden Verzückungstaumel. Das  sollten auch Sie sich einmal gönnen! Die Screaming Females spielen am nächsten Mittwoch, dem 4. Juli, um 22 Uhr im Marie-Antoinette, Holzmarktstraße 15-18.

Aber auch den Anhängern der elektronischen Musik wird in unserer Stadt wieder vieles geboten, zum Beispiel am Freitag, dem 20. Juli, ab 24 Uhr in der Friedrichshainer Lesbendiskothek Berghain. Zum ersten Mal überhaupt in Berlin ist dann hier  das aus Manchester stammende Trio Factory Floor zu erleben, das sich – wie kompetente Musiksachverständige sogleich erkennen – schon im Namen vor dem berühmtesten Label aus dieser Stadt, Factory Records, verneigt. Mit ihren kalt-steifen Elektrorhythmen und dem masochistenfreundlich unbeteiligten Gesang klingen Factory Floor etwa auf ihrer aktuellen Single „Two Different Ways“,  als hätten Joy Division mit Nico einen Techno-Track aufgenommen. Toll!

Noch toller ist übrigens das Live-Album „Transverse“, das Factory-Floor-Sängerin und -Geräuscherzeugerin Nik Colk alias Nik Void mit Chris Carter und Cosey Fanni Tutti von der legendären Industrial-Band Throbbing Gristle eingespielt hat. Zum gleichmütig klackernden Beat von Chris & Cosey malträtiert sie ihre Gitarre mit einem Geigenbogen auf  atemberaubend laszive Weise: eine Industrial-Variante, der vor gleißender Erotik alle genre-typische Düsternis abhandengekommen ist.

Fortgesetzt und variiert wird dieses Konzept auf der soeben erschienenen Single „Gold E“, die Nik Colk alias Nik Void unter dem Namen Nik Colk Void eingespielt hat. Auch hier hört man Geigenbogengitarrengeräusche – allerdings nicht nur auf der Single, sondern zudem auf der aus Polyurethan bestehenden Hülle, die als Negativabdruck des Vinyls gestaltet wurde und sich nach mehrfachem Abspielen ganz im Sinn des Recycling-Gedankens in ihre biologisch abbaubaren Bestandteile zersetzt.

In diesem Sinne: schönen Sommer! Und bis zum nächsten Mal.

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