Wo er spielte, flog das Blech weg

Zum Tod des Spliff-Bassisten Manfred „Manne“ Praeker

Was für ein großartiger, freier, improvisierender Krach das gewesen ist. Free Jazz, Rock, Schlager? Keine Ahnung: Aber die ersten beiden Platten der Nina Hagen Band – „Nina Hagen Band“ (1978) und „Unbehagen“ (1979) – gehören zweifellos zu den Sternstunden der deutschen Popgeschichte. Was keineswegs nur der damals gerade aus der DDR nach West-Berlin übergesiedelten Ex-Schlagergöre Nina Hagen zu verdanken war, sondern vor allem auch ihren genialen Mitmusikern: Herwig Mitteregger am Schlagzeug, Reinhold Heil an den Keyboards, Bernhard Potschka an der Gitarre – und nicht zuletzt dem Bassisten Manfred „Manne“ Praeker.

Mitteregger, Potschka und Praeker hatten bis dahin unter dem Namen Lokomotive Kreuzberg linksradikale Politmusik dargeboten und dabei auch mit Jazzmusikern wie Wolfgang Dauner zusammengearbeitet; ihren ohnehin schon stilistisch weiten Rock öffneten sie in der Zusammenarbeit mit Hagen auch für die Energien des gerade erblühenden Punk.

Die Sängerin verlangte es freilich schon nach zwei Jahren nach einer weniger wilden und avantgardistischen Begleitung. Woraufhin die Nina Hagen Band sich unter dem Namen Spliff reformierte: Ihr Debüt, die „Spliff Radio Show“, war eine Art satirische Konzept-Rock-Oper über die Widrigkeiten des Musikgeschäfts, dirigiert von dem damals gerade aufstrebenden Jim Rakete und uraufgeführt im Mai 1980 im Kant Kino. Auf dem nachfolgenden Album „85555“ entwickelten Spliff eine Art lässigen Dub-Reggae-New-Wave mit virtuos-ironischen Texten (samt unvergesslicher Zeilen wie „Da fliegt dir doch das Blech weg“); damit und mit Singles wie „Déjà Vu“ und „Carbonara“ eroberten sie ab 1982 auch die Hitparaden.

Spliff brachen Mitte der Achtzigerjahre auseinander. Manfred Praeker betrieb mit Potschka und Heil kurzzeitig noch die Gruppe Froon, konzentrierte sich aber ansonsten auf die Studioarbeit und das Produzieren. So war er unter anderem für „99 Luftballons“ von Nena verantwortlich sowie für das dritte Album der Ärzte. In den letzten 25 Jahren lebte er vor allem in Portugal und arbeitete dort in seinem eigenen Mad-Mix-Studio als Produzent. Am 17. September ist Manne Praeker im Alter von 60 Jahren in Berlin gestorben.

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