Zum Tod von David S. Ware

Er spielte das mächtigste und erregendste Tenorsaxofon, das man sich vorstellen kann: Unter den Protagonisten der zweiten Free-Jazz-Generation hatte David S. Ware zweifellos den charismatischsten und kräftigsten Ton; und wie kein anderer verband er die zornigen Ausbrüche der älteren Fire Music mit einem neuen Sinn für melodische Linien und Harmonien. Geboren 1949 in Plainfield, New Jersey, wurde er Mitte der Siebzigerjahre in New York von dem Pianisten Cecil Taylor und dem Schlagzeuger Andrew Cyrille entdeckt, in deren Bands er auch spielte. Seit Ende der Achtzigerjahre bildete Ware mit dem Pianistin Matthew Shipp und dem Bassisten William Parker ein festes Trio, das durch wechselnde Schlagzeuger ergänzt wurde; mit seinen Platten auf dem Thirsty Ear Label und Konzerten etwa im Vorprogramm von Sonic Youth wurde er weit über die engere Jazz-Szene hinaus bekannt. Wares Sound erinnerte an die spirituellen Alben des späten John Coltrane, an Pharoah Sanders und Albert Ayler, doch war er auch überaus körperbetont, schreiend und wild. „Der transzendentale Stil im Jazz“, hieß es 2005 in dieser Zeitung über sein monumentales Triple-Album „Live in the World“ – „Musik, die von Befreiung und Glück erzählt“. Am vergangenen Donnerstag ist David S. Ware in New York im Alter von 62 Jahren gestorben.

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