Arm ab, arm dran? Nicht so im alten China

Um ein kinematographisches Desaster ungeahnten Ausmaßes handelt es sich bei der ersten Regie-Arbeit des durch seine Mitwirkung in dem New Yorker Rap-Kollektiv Wu-Tang-Clan bekannten Sprechgesangskünstlers Robert Fitzgerald Diggs alias RZA. Unter dem Titel „The Man With the Iron Fists“ erzählt dieser die Geschichte eines komplex bis unübersichtlich oder eventuell auch gar nicht motivierten Gemetzels zwischen diversen verfeindeten chinesischen Clans im 19. Jahrhundert, wobei RZA selber die Rolle eines überaus talentierten Waffenschmieds übernimmt, den es durch teils günstige, teil widrige Umstände aus der Sklavenhaltergesellschaft der USA in das freie Kaiserreich China verschlagen hat. Anderthalb Stunden lang reißen die rundum unsympathischen Krieger um ihn herum aus nicht näher ersichtlichen Gründen einander die Eingeweide heraus, wobei man die Figuren vor ihrem jeweiligen Abgemurkstwerden nie gut genug kennenlernt, um irgendetwas für sie zu empfinden und also über ihren Abgang entsprechend schockiert oder auch nur betrübt sein zu können. Wenn einem die Leute, die in einem Film massakriert werden, aber schon egal sind, sollte wenigstens das Massaker als solches witzig und kurzweilig wirken. Auch das ist bei RZA nicht der Fall, abgesehen von einer sehr kurzen Szene, in der Russell Crowe einem sehr dicken Chinesen, der gerade ein Mädchen zu belästigen sich anschickt, mit einer überdimensionierten Multifunktionsgeflügelschere den Wanst aufschnibbelt.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was Russell Crowe in diesem Film verloren hat. Das fragt man sich allerdings.

RZA jedenfalls beliefert als Waffenschmied die Kämpfer aus den verschiedensten Clans, bis er eines Tages gefangen genommen und gefoltert wird und man ihm als Höhepunkt der ausgiebig ausgekosteten Folter beide Arme abschneidet. Nicht schön! Aber auf Dauer auch nicht so schlimm: Denn Russell Crowe fertigt nach den Anweisungen des verbliebenen Schmiedrumpfs für diesen zwei voll funktionsfähige Eisenarme an, mit denen RZA nun umso kraftvoller zuschlagen kann, insbesondere in der unmittelbar folgenden Auseinandersetzung mit einem besonders übellaunigen und geschmacklos tätowierten Gesellen, der im Konfliktfall die molekulare Zusammensetzung seines Körpergewebes in Messing verwandelt und damit an den Comic-Heft-Superhelden Das Ding erinnert („It’s Clobbering Time“).

Der Film wird, wie wir im Abspann erfahren, „von Quentin Tarantino präsentiert“; und nach eigener Auskunft hat RZA dem unangefochtenen Gemetzelmeister zwei Jahre lang über die Schulter geguckt, bevor er sich an sein eigenes Werk wagte. Nach dessen Ansicht muss man sich allerdings fragen, was Tarantino gerade tat, wenn RZA hinter ihm stand: Spiegelei mit Speck braten? Den Garten bewässern? Oder vielleicht einen Mittagsschlaf halten? Irgendwas mit Kino kann es nicht gewesen sein, denn „The Man With the Iron Fists“ weist keinerlei Qualitäten auf, die man von Tarantino kennt. Er besitzt weder Story- noch Schauwerte; die Ästhetisierung der Gewalt misslingt ihm vollständig; um das Erzählen einer Geschichte hat er sich gar nicht erst bemüht. Die Kampfszenen sind stümperhaft choreografiert – und das, obwohl der meist im Hintergrund dudelnde Soundtrack aus Schüttel-die-Klöten-Gangsta-Rap-Stücken gerade dazu einladen würde, das Tötungsgeschäft durch einen bouncenden Rhythmus ein wenig lässiger zu machen.

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