Das war 2012

Die besten und schlechtesten Konzerte des Jahres. Und ein Sonderpreis für das lustigste Konzert.

Das beste Konzert des Jahres: Grimes im Berghain. Wir schrieben: „Beim Singen, Tastendrücken und Knöpfchendrehen windet Grimes sich gebückt an zwei leicht zu weit auseinander stehenden Geräten; sie trägt eine Pferdeschwanzfrisur mit rasierten Schläfen und dazu ein Netzkleid mit aufgenähtem Korsett und sieht also wie eine schöne, furchteinflößende Gebieterin aus. Ab dem dritten Stück füllt sich die Bühne denn auch mit unterwürfigen, weitgehend nackten männlichen Tänzern; sie winden sich wimmelnd wie ein erhitzter Wurf Welpen um ihre Herrin herum.“

Weitere sehr gute Konzerte: Cut Hands beim Club Transmediale. Pole im Horst Krzbrg. Skrillex in der Columbiahalle. Charli XCX im Festsaal Kreuzberg. Chelsea Wolfe in der Berghain Kantine. The Caretaker im Hau. Sleep im Berghain. Lower Dens im Westgermany. Maria Minerva und L.A. Vampires im Kater Holzig. Poliça im Magnet Club. Peaking Lights im Festsaal Kreuzberg. New Order im Tempodrom. oOoOO und Butterclock beim Club Transmediale. Madonna in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Black Keys in der Arena. Bob Dylan in der Zitadelle Spandau. Lee Ranaldo im Lido. How To Dress Well im Chalet. Crime & the City Solution im C-Club. The XX im Admiralspalast. Mykki Blanco im Festsaal Kreuzberg. Lauryn Hill im Tempodrom. Pet Shop Boys im Hau. Major Lazer beim Berlin Festival im Flughafen Tempelhof. Baroness im Magnet. Julia Holter in der Berghain Kantine und dann noch einmal im HBC. SBTRKT beim Berlin Festival im Flughafen Tempelhof. Caribou in der Wuhlheide. Randy Newman im Admiralspalast. Raime im Berghain. Bruce Springsteen im Olympiastadion. Drake in der Max-Schmeling-Halle. Cold Specks im Privat Club. LE1F in der Berghain Kantine. Dracula Lewis im Westgermany. Automat im Berghain. Schneider TM und Jochen Arbeit im Westgermany. Herbert Grönemeyer im Studio Babelsberg. Ariel Pink’s Haunted Graffiti im Festsaal Kreuzberg. ASAP Rocky im Festsaal. Nite Jewel in der Berghain Kantine. Archie Shepp beim Jazzfest Berlin. Peter Brötzmann im Hau. Purity Ring im Berghain. Dr. John im Astra. Jack White im Tempodrom. Beak in der Berghain Kantine. Codeine im Festsaal Kreuzberg. Laurel Halo im Berghain. Dead Can Dance im Tempodrom. Odd Future im Huxley’s. Black Dice und Silver Apples im Festsaal Kreuzberg. Beach Boys in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Doctorella im Kater Holzig. X in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Haime im Roten Salon. Nicki Minaj im Tempodrom. Michael Schenker Group im C-Club. Dionne Warwick im Admiralspalast. Flying Lotus im Gretchen. Phantom Ghost im Hau. Chris & Cosey im Berghain. Jandek im Hau. Flipper im Wild at Heart. Mission of Burma im Festsaal Kreuzberg. Lou Reed in der Zitadelle Spandau. Factory Floor im Berghain. DIIV im Monarch. Death Grips im Festsaal. Animal Collective im Astra. Unheilig in der Wuhlheide. Neneh Cherry im Radialsystem. Garland Jeffreys im Bi Nuu. Hans Unstern im Festsaal. Scritti Politti im Hau. Swans im Berghain. Jon Spencer Blues Explosion im Festsaal Kreuzberg. Laibach im Berghain. John Cale in der Passionskirche. Die Türen und Andreas Dorau im Kater Holzig. Seeed in der Max-Schmeling-Halle. Sinkane im Fluxbau.

Das schlechteste Konzert des Jahres: Kim Gordon (ehemals bei Sonic Youth) mit ihrem neuen Duo Body/Head im Berghain. In der Berliner Zeitung stand: „Keine andere Band, wenn ich das an dieser Stelle mal sagen darf, habe ich in meiner Jugend so geliebt wie Sonic Youth, umso verzweifelter wurde ich beim Anhören dieses nicht nur intellektuell beleidigenden Unfugs. Ein tragischer Abend. An seinem Ende hätte ich heulen können.“

Weitere sehr schlechte Konzerte: Jennifer Lopez in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Die Antwoord im Berghain. Marius Müller-Westernhagen im Kesselhaus der Kulturbrauerei. Friends beim Berlin Festival im Flughafen Tempelhof.
Enttäuschung des Jahres: Jessie Ware im Bi Nuu. Die neue Soulgöttin, meine Lieblingsdebütantin, muss sich ihr erstes Berlin-Konzert durch einen hörbehinderten Honk am Mischpult versauen lassen.

Weitere Enttäuschungen: Lady Gaga in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. Tame Impala im Postbahnhof. Ansonsten ein relativ enttäuschungsfreies Jahr.

Die besten Platten des Jahres:
1. Frank Ocean, Channel Orange
2. Laurel Halo, Quarantine
3. Julia Holter, Ekstasis
4. Scott Walker, Bish Bosch
5. Emptyset, Collapsed
6. How To Dress Well, Total Loss
7. Poliça, Give You the Ghost
8. Swans, The Seer
9. Grimes, Visions
10. Jessie Ware, Devotion

Das Ärgernis des Jahres: Wie arrogant und unkontrolliert die Gema ihre neuen Fantasietarife durchzudrücken versuchte.

Das freudigste Ereignis des Jahres: Wie der öffentliche Druck die Gema am Ende doch noch – und sei es auch nur vorübergehend – zum Einlenken brachte.

Der Sonderpreis für das lustigste Konzert des Jahres geht an: Peaches und Rafael Horzon im Flamingo Club. Ganz Berlin-Mitte drängte sich am vergangenen Donnerstag in der engen Kaschemme unter der S-Bahn am Monbijou-Park bei der festlichen Gala zur Veröffentlichung der Peaches-Horzon-Maxisingle „Me, Myshelf and I“. Nur Peaches selber war gar nicht da, und Rafael Horzon tat wie immer so, als ob er mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun hat. Ständig fragten mich sehr gut angezogene Leute mit hippen Hornbrillen, die wahrscheinlich irgendwas mit Medien machen: „Weißt du, wann es los geht?“ Ich sagte: „Es geht hier nichts los, es hat schon längst angefangen. Es passiert nichts, und ihr seid Teil davon.“

Das war Berlin 2012. Bis nächstes Jahr.

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