Dufte, prima, toll!

Es ist ja bald Weihnachten, darum wollen wir an dieser Stelle auch einmal etwas Nettes sagen, sogar etwas Nettes zur Politik: Mit der Ernennung von Katja Lucker zur neuen Musikbeauftragten hat der Berliner Senat die richtige Person auf den richtigen Posten gesetzt. Das Amt ist heikel, nicht nur, weil die Probleme der Berliner Popkultur so vielfältig sind. Es herrscht in diesem Bereich auch ein besonderes Misstrauen gegenüber staatlichen Lösungen. Von Seiten der alten Hochkulturfreunde, die nicht glauben, dass es jenseits von Opern, Museen und Theatern noch andere förderungswürdige Kultur geben könnte. Aber auch von Seiten der Popmusikbranche, die stets übereinander herzufallen pflegt, sobald staatliche Gelder in Sichtweite kommen – erinnert sei an die Front privater Konzertveranstalter gegen die Musikveranstaltungen an der Volksbühne oder im Hau. Dass es Katja Lucker – vor ihrer Ernennung – bei den von ihr mitorganisierten Vorbereitungsrunden für das Musicboard geschafft hat, diese verschiedenen Akteure zum zivilisierten Gespräch zusammenzubringen, ist allein schon eine beachtliche Leistung.

Am Mittwoch wurde die neue Chefin nun im Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt; zum 1. Januar nimmt sie ihre Arbeit auf; eine Million Euro beträgt ihr Etat für das kommende Jahr. Aber das ist noch gar nicht alles, wie der Senatskanzleileiter Björn Böhning bei dieser Gelegenheit vorrechnete. In Wahrheit gibt die Stadt Berlin jährlich sogar sieben Millionen Euro für die Pop-Förderung aus! Allein 3,5 Millionen kommen aus diversen Wirtschaftsfördertöpfen; 300000 Euro gehen in Nachwuchsprogramme; 900000 Euro werden zur Förderung von Proberäumen ausgeschüttet; 700000 Euro erhält die Berlin Music Week, die – darin waren sich alle Beteiligten im Rathaus dankenswerter Weise einig – im nächsten Jahr besser kuratiert und inhaltlich fokussiert werden soll. Die zwischenzeitig schon beunkte Zusammenlegung der Music Week mit der Echo Verleihung ist aber erstmal vom Tisch.

Auch sonst gab es nur gute Nachrichten aus der Pop-Politik: Der Schokoladen darf in seinem alten Haus bleiben; das Yaam erhält ein neues Zuhause; sogar für das leidige Umsatzsteuerproblem – sollen Clubs als Kulturinstitutionen (7 Prozent) oder als Vergnügungshäuser (19 Prozent) veranlagt werden? – kündigte Böhning eine clubfreundliche Lösung an. Es habe Gespräche zwischen der Finanzverwaltung und den Betreibern gegeben; auch für „Altfälle“, rückwirkend erhobene Forderungen zeichne sich eine Übereinkunft ab. Toll!

Das kommende Jahr werden wir nun damit verbringen, die Entwicklung der Realität an diesen guten Aus- und Absichten zu messen.

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