Roboter knurren, wenn sie von Liebe singt

Die R’n’B-Debütantin Banks  in der Berghain Kantine

Lange keine rostige Mutter mehr zum Knabbern gehabt? Dem Roboter, den man im Hintergrund von Jilian Banks’ aktueller Single „This It What It Feels Like“ hören kann, knurrt jedenfalls ziemlich der Magen. Eine ganze Kakophonie aus vocoderverzerrten Verdauungsgeräuschen entfaltet sich hinten und unten herum, während die kalifornische R’n’B-Sängerin oben drüber von ihren romantischen Gefühlen kündet; später erhebt sich auch noch ein billig flirrendes Achtzigerjahre-Keyboard; über Knickerbeats und Handklatschgeräuschen wehen ätherische Frauenchöre dahin, ein paar Männer machen dunkel bahumba bahumba. Ein tolles Stück! Und sehr sexy!

Es findet sich auf „London“, der ersten EP von Banks, die als Künstlerin nur mit ihrem Nachnamen angesprochen werden möchte. Dank Liedern wie diesen zählt sie zu den meist umraunten Debütantinnen der Saison. Gerade hat sie in den USA ihre erste größere Tour absolviert, als Begleitung des R’n’B-Superstars The Weeknd, und in gewisser Weise kann man sie auch als das weibliche Pendant zu ihm werten. Wie The Weeknd oder der geistesverwandte Drake, verbindet Banks klassisch geprägten Gesang mit kompliziert zusammengebastelten Beats, mit kargen, bassbetonten, oft schroffen Sounds; es wehen auch schwere Klangschlieren vorbei wie im älteren Südstaaten-Rap. An den Liedern auf „London“ haben zudem europäische Post-Dubstep-Protagonisten wie Jamie Woon oder SOHN mitgewirkt, eine überaus originelle und kurzweilige Platte.

Und anders als ihre männlichen Kollegen, nutzt Banks die Kälte der elektronischen Beats nicht als Spiegelung einer klammen Emotionalität. Sie ergeht sich nicht in Selbstmitleid, Larmoyanz oder Weltekel, sondern singt von romantischer Sehnsucht und eventuell unerwiderter, aber keinesfalls hoffnungsloser Liebe. So entsteht ein interessanter Kontrast zwischen Technik und Soul, zwischen abstrakten Beats und warmem Gesang.

Am Mittwoch stand Banks nun erstmals in Deutschland vor 200 besonders trendsicheren Hörern auf der Bühne der Berghain Kantine und spielte sich ein kurzes Stündchen durch ihr Programm; dabei wurde sie von einem Schlagzeuger und einem zweiten Gesellen an Gitarre und Laptop begleitet. Wer die Studioaufnahmen kennt, wunderte sich insbesondere über die Dominanz des Drummers: Die zarte Ziseliertheit der elektronischen Beats zerbollerte er nicht selten mit allzu borstigem Spiel. So wiederholte sich, was ich vor zwei Wochen an dieser Stelle schon anlässlich des Auftritts von London Grammar beklagte: eine Musik, die in der Studioversion wesentlich von ihrer technischen Avanciertheit lebt, schrumpfte im Konzert dann doch wieder auf ein weitgehend konventionelles Soulballaden-Set.

Was nichts an dem Versprechen ändert, das die Musik von Banks birgt. Sie bräuchte bloß auch auf der Bühne mehr Mut, sich als Sängerin der klanglichen Schroffheit zu stellen: Nur im Kontrast zu dieser erstrahlt sie schließlich so hell, dass man sie nicht gleich wieder aus den Augen verliert.

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